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Rant

Wednesday, Sept. 27, 2006 - 10:55

rant
n 1: a loud bombastic declamation expressed with strong emotion [syn: harangue, ranting]
2: pompous or pretentious talk or writing [syn: bombast, fustian, claptrap, blah]
v : talk in a noisy, excited, or declamatory manner [syn: mouth off, jabber, spout, rabbit on, rave]

DISCLAIMER: Ich schreibe das hier nicht, um jemanden zu dissen oder mich über die unbestrittene Schlechtigkeit der Welt und die Inkompetenz gewisser Bewohner derselben auszulassen, auch wenn es mitunter so klingen mag. Es geht mir allein darum, das momentane Gefühl und das gestrige, durchaus erinnerungswürdige Geschehen festzuhalten, damit möglichst wenig davon durch nostalgische Filter verändert oder sogar verwässert wird. Es geht mir nur um den pädagogischen Mehrwert. Sollte die Schilderung die Nennung von Namen erfordern, so werde ich wahllos welche auswählen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind auszuschließen.

Gestern fuhr ich in ein Kaff im tiefsten Hessen. Mit der Bahn. Geladen hatte ein Verlag, für den ich schon seit langer Zeit tätig bin und für den ich, so die vor gut zwei Monaten an mich herangetragene Bitte, derzeit ein Sachbuch schreiben soll. In diesem Kaff wohnen zwei Menschen, die mit dem Thema des potentiellen Sachbuches sehr vertraut sind. Da der Verlag dies absolut nicht ist, sondern nur die Buchidee als Trendthema erkannte und auf den hypothetischen Zug aufspringen will, setzte er auf den fachlichen Input der beiden Hessen und auf ihre Erfahrung.

Das Buchprojekt hängt nun schon seit Monaten in dem, was Hollywood wohl Development Hell nennen würde: dem Limbo für unrealisierte und aufgeschobene Ideen, aus denen einfach nichts wird, weil die Entscheidungsträger immer andere Entscheidungen tragen müssen und diese immer wieder weiter aufschieben. Gestern sollten endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, dafür war das Treffen gedacht, zu dem mich der Verlag auch gebeten hatte, immerhin hatte er sich mich als Autor für das Teil ausgewählt.

Während dieses Treffens erfuhr ich so einiges, was ich zum Zwecke des Lernprozesses hier gerne festhalten möchte. Zum Beispiel erfuhr ich, dass Verlag und die beiden Fachleute bisher noch niemals nicht miteinander gesprochen hatten. Und das wurde zum Problem.

Man muss wissen, dass die Kommunikation zwischen Verlag und Fachleuten bisher nur über eine Firma lief. Diese Firma stellt Sportartikel her, die für das Thema (und somit auch das Buch) wichtig sind. Der Verlag hatte die Buchidee, fand dann den Hersteller und dieser verwies den Verlag wiederum auf die Fachleute. So lief das bisher. Was ziemlich dämlich ist, da eine direkte Kommunikation zwischen Verlag und Fachleuten dringend erforderlich war, wie man gestern sah.

Der Verlag lud also zum kreativen Runden Tisch bei den Fachleuten daheim. Daran nahmen die Fachleute, die Lektorin und meine Person als Autor des Ganzen teil. Gesehen hatten sich alle Parteien vorher nicht. Gesprochen hatten bisher, wie ich gestern sehen durfte, auch nur Autor und Verlag darüber.

Gestern stellte sich (schnell) heraus, dass sich die Fachleute so ihre eigenen Vorstellungen von der Aktion gemacht hatten. Diese Leute sind nämlich sehr aktiv bei der Vermarktung des Themas. Da sie aus der Praxis sind (man könnte auch sagen: da sie die Praxis personifizieren), haben sie massig Kontakte und Fakten, die dem Buch zugute kommen würden. Problem: Sie haben bereits selber eins geschrieben!

Und dafür finden sie keinen Verleger. Ihr Buch richtet sich inhaltlich an potentielle Fachleute wie sie, also an die Lehrenden, nicht an die das Thema Ausführenden (was in der Regel Kinder sind). Unser Buch soll sich an die Ausführenden richten. Die Fachleute sehen in dem Verlagsinteresse nun aber die Chance, schonmal einen kleinen Fuß in die Welt der Buchverlage zu setzen (oh, wie ich das nachvollziehen kann...) und stürzten sich gestern auf die Lektorin wie die Haifische auf den ahnungslosen Badegast. Besonders der männliche Fachleut (dessen Namen ich bis heute nicht kenne, wie mir gerade auffällt) reagierte und agierte hochgradig aggressiv in Wortwahl und Körpersprache. So aggressiv, dass ich streckenweise schon sprachlos war.

Das Buch, um das es gestern ging, könne er selber schreiben, das sei ja überhaupt kein Problem. Immerhin sei er der Fachmann, manage das Thema und viele Ausführende ohnehin. Er habe und hatte mit seinen Schützlingen schon so manchen medialen Auftritt bestritten, dieses Buch sei ja nichts anderes als ein weiterer. Das schreibe er mal locker in zwei Wochen runter, sei überhaupt kein Problem. In Form des Lehrendenbuches habe er es ja ohnehin schon geschrieben, das müsse er einfach nur für die neue, jüngere Zielgruppe umarbeiten und fertig sei die Laube. Und mit wirklich wütendem Tonfall und direktem Blick zu mir: "Von daher weiß ich absolut nicht, was Sie überhaupt hier wollen!"

Päng. Volle Breitseite.

Es ist nicht meine Aufgabe, mich bei derartigen Projekten um die Arbeitseinteilung zu kümmern. Wer was wann macht, ist Sache des Verlags bzw. des zuständigen Lektors. Von daher hielt ich mich mit entsprechenden Retourkutschen zurück, hielt den Tonfall und die Aggroschiene für den Anlass zudem für absolut unpassend und von daher inakzeptabel.

Aber jetzt stellt euch mal vor, ihr wollt ein Buch über Zahnärzte verlegen. Als Autoren habt ihr einen Zahnarzt am Tisch sitzen und jemanden, der schonmal beim Zahnarzt war. Mit wem sprecht ihr weiter darüber?

Der Fachmann hatte absolut recht - nach seiner Litanei war meine Anwesenheit an dieser Besprechung, an diesem Tisch und überhaupt in diesem Kaff mehr als überflüssig. Natürlich ist dem Lektorat der Fachmann lieber, wenn dieser das Buch auch schreiben kann. Und ganz plötzlich war ich raus aus dem Spiel.

Es geht mir nicht darum, hier den Tod eines Projektes zu betrauern. Das ist zwar der Fall (und kneift mich massiv, da mir hier eine waschechte Buchpublikation durch die Finger geglitten ist, mit der ich den berühmten Fuß in der Tür gehabt hätte), aber nur ein Teilaspekt des Ganzen, was mich momentan tierisch ankotzt. Nein, primär ärgere ich mich über die Aktion selbst. Über die schlichte Dummheit (Entschuldigung, aber wie soll man es denn sonst nennen?) der Verantwortlichen, sich nicht im Vorfeld mit den Fakten vertraut zu machen und zu entscheiden, wen sie da überhaupt braucht und wen nicht. Es geht mir nicht einmal allein um meinen völlig unnütz verbrachten gestrigen Tag. Die Verlagsverantwortliche hätte sich einfach im Vorfeld (und zwar bevor sie sich auf die Suche nach einem Autor gemacht hatte!!!!!) mit dem Thema befassen und die Informationslage abklären müssen. Dass dies bis heute (!) nicht geschehen ist, zeigte ihre fachliche sowie die geschilderte organisatorische Unkenntnis gestern unfassbar eindeutig.

Ich bin sowas von angepisst, das gibt's ja gar nicht. Der Verlag (mit dem ich es mir leider nur ungern verscherzen würde, da ich bei anderen Projekten mitarbeite, die über ihn laufen) bekommt heute von mir eine Rechnung. Über Reisespesen und einen gepfefferten Tagessatz für den gestrigen Ausflug. Desweiteren erwarte ich (klar, erwarten kann ich viel) eine Entschuldigung. Ich habe der Verantwortlichen gestern nach dem Treffen noch kurz meine Meinung zu dieser Aktion sagen können und tue dies gerne nochmal, so eine entsprechende Anfrage kommt, ich war dabei nicht gerade ... subtil.

Das hätte sie vorher wissen müssen. Das hätte sie vorher abklären müssen. Das kann doch gar nicht sein. Das ist doch einfach nur unprofessionell! Herrgottnochmal.

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