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Go hug a klingon - Star Trek wird 40

Friday, Sept. 08, 2006 - 09:00

Es grenzt schon an Schizophrenie, wenn man sich nicht darauf einigen kann, wie man eigentlich heißt. Bin ich jetzt ein Trekkie oder ein Trekker? Oder gar beides?

Der geneigte Nicht-Fan mag jetzt verwirrt sein, aber in einigen Teilen des weltweiten Star Trek-Fandoms (ich verweigere bewusst die teutonisierte Wortschöpfung "Fantum", da diese meiner Ansicht nach danach schreit, mit "der Oper" ergänzt zu werden...) wird das ernsthaft und durchaus verbissen diskutiert: Der ursprünglich entstandene Begriff "Trekkies", als Analogie zu "Groupies" erschaffen, bezeichnete seit Beginn der klassischen Star Trek-Serie deren Anhänger. Im Laufe der Jahre - und der bis heute praktizierten medialen Ausnutzung von ... sagen wir mal psychologisch bedenklichen Fans für die Berichterstattung von Conventions u.ä. - kam in einigen Teilen des Fandoms der Wunsch auf, sich auch begrifflich von diesen hardcore-Anhängern abzugrenzen. Die Wortschöpfung "Trekker" war geboren. Ein "Trekkie", so die ab dann gültige Definition, sei ein kritikloser Fan, ein reiner Anhänger, etwa vergleichbar mit der ersten Reihe im Fanblock eines Tokio Hotel-Konzertes. Ein "Trekker" hingegen sei mit auf der Reise (daher Trek-ker, wie Wander-er usw), also eine ganz andere Liga.

Man sieht also: Typisch deutsche Vereinsmeierei macht auch vor internationalen Großproduktionen nicht halt.

Warum erwähne ich das überhaupt? Weil heute der achte September ist, der 40. Geburtstag einer kleinen und kaum beachteten Fernsehserie, hinter der eine große Philosophie steckte und die zu einem weltweiten und unkaputtbaren Phänomen wurde: das Raumschiff Enterprise wird 40.

Wer heute unter oder gerade so über 30 ist, wird beim Namen Star Trek vermutlich zuerst an die Next Generation, Deep Space Nine, Voyager oder Enterprise denken, also an die Nachfolgeserien, deren Fans das Original mit Captain Kirk und Mister Spock eher für den verrückten alten Onkel der Familie halten, den man zwar mitdurchfüttert, aber eigentlich nicht mehr ernst nimmt. Heutige Sehgewohnheiten kennen und erwarten eben andere Standards von einer TV-Serie, als sie eine Produktion von 1966 aufweisen könnte. Für mich ist die gute alte NCC 1701 ("No bloody A, B, C or D.") aber unerreicht - und so soll das auch sein.

Es liegt mir fern, hier jetzt die Produktionsgeschichte der klassischen Serie (oder irgendeiner der nachfolgenden) herunter zu beten. Es gibt insbesondere in diesen Tagen genügend Publikationen, die sich in seitenlangen Ergüssen über diese altbekannten Fakten auslassen. Es liegt mir auch fern, groß auf die Philosophie einzugehen, welche Serienschöpfer Gene Roddenberry seiner Kreation zugrunde legte: dieses IDIC genannte Prinzip. Infinite Diversity in Infinite Combinations. Unendliche Vielfalt in unendlichen Kombinationen - erst die rassenübergreifende Gemeinschaft und vorbehaltlose Zusammenarbeit macht ein evolutionäres Fortschreiten der Menschheit möglich. Wer sich mit Grabenkämpfen aufhält, kann sein Potential als Lebewesen nie voll entfalten. Wir sind hier, um zu erfahren, zu erkunden und zu erleben. "To seek out new life and new civilizations."

Das war nicht einmal galaktisch gemeint. Klar war Star Trek immer eine SF-Serie und erzählte Geschichten aus dem Weltall. Aber dies geschah zumindest ursprünglich mit dem Hintergedanken des Parabelhaften, mit dem Wissen, dass eine Entdeckungsreise immer erst mit der Definition des eigenen Selbst beginnen muss. Bevor ich das Fremde erkunde, muss ich wissen, wer ich bin, wie ich auf selbiges Fremde wirke. The Journey Out Is The Journey In - auch das ein klassischer Trek-Satz, der sich paraphrasiert in den besten SF-Universen wiederfindet.

Star Trek wird 40. Und auch wenn die Produktion selbst ihren ursprünglichen philosophischen Anspruch in zehn Kinofilmen, sechs TV-Serien und über 700 Fernsehfolgen verloren hat (was aufgrund der hohen Anzahl und langen Laufdauer aber auch nicht verwundert; für mich persönlich zählen beispielsweise die jüngsten Serien Voyager und Enterprise nicht mehr zur Star Trek-Philosophie, auch wenn sie immer noch unterhaltsames Programm bieten), ist das Phänomen Trek heute präsent wie eh und jeh. Und das wird auch so bleiben.

Wer in Festtagslaune schwelgen möchte, den verweise ich heute sehr gerne auf das Blog des amerikanischen Journalistenkollegen William S. Kowinski, der all die Worte findet, die ich hier vergeblich suche. Ich selbst möchte diesen Tag aber auch nutzen, um den Fans auf die Schulter zu klopfen, die vier Jahrzehnte lang eine alte und ursprünglich total unbeachtete TV-Serie am Leben erhielten. Ich bin ein Trekkie. Das war der ursprüngliche Begriff und auch der, den Roddenberry selbst verwendete. (Als ihn entrüstete Fans auf einer Con darauf ansprachen, dass sie aber Trekker seien, widersprach Roddenberry vehement mit der Feststellung, er müsse das doch wissen, immerhin habe er den Begriff erfunden.) Und wenn das für den Chef gut genug ist, ist es auch für mich gut genug.

Ich habe auf Conventions, in Clubs, Fanzines, Newsgroups, Kinos und auf Videoabenden schon viel Spaß gehabt - alles nur, weil Star Trek. Herrjeh, ich bin sogar selbst auf der Leinwand gelandet - weil Star Trek. Bin schon quer durch die Republik gereist - weil Star Trek. Das Fandom ist eine große und globale Familie. Ich bin ein Teil davon, und das gefällt mir. Kann schon sein, dass neuere Star Treks nicht mehr dem eigenen Anspruch entsprechen. Aber ich habe genügend alte Star Treks, um mein Fansein weiter zu befeuern. Ich bin Fan des Fanseins.

Also, Herrschaften. Erheben wir unser Glas romulanisches Ale heute auf das gute alte Raumschiff Enterprise. Auf seine Geschichte und seine Geschichten. Auf seine Macher und sein Publikum. Auf seine Ideale und seine Realitäten. Wir sind eine große Familie, und sei es auch nur zur Feier des Tages. Heute... ach was, heute umarmen wir sogar die Klingonen.
Live long and prosper!

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