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Klein-Humbi und die Woche der Verdammnis

Friday, Feb. 10, 2006 - 17:40

So, es ist Freitag, zwanzig vor sechs, jetzt kann ich dem Puls wieder erlauben, sich zu senken. Hoffe nur, dass auch der Hals mal langsam wieder abschwillt, den ich von dieser Wahnsinnswoche noch habe. Herrschaften, da hat aber auch gar nichts funktioniert. Absolutes rien ne vas plus. Ich erlaube mir mal, den kompletten Ballast hier in chronologischer Reihenfolge abzuladen. Geschichten aus dem Arbeitsleben, Folge 537.

Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist die Koordination eines umfangreichen Datenerfassungs- und Distributionsprojektes. In diesem bundesweit laufenden Projekt, an welchem jede Menge Großkunden aus der Medienbranche als Endabnehmer hängen, läuft der Betrieb ohnehin schon allwöchentlich weit jenseits der Schmerzgrenze. Was in dieser Woche passierte, glaubt mir aber sicher kein Mensch.

Montag, 19 Uhr. Jugendliche Hacker aus Rumänien plätten unseren Firmenwebserver bei dem Versuch, selbigen für einen spaßigen Abend des Verschickens von Spammails zu missbrauchen. Gemerkt habe ich das logischerweise, da nach persönlichem Betriebsschluss, erst Dienstag gegen 9 Uhr, aber da war es natürlich schon längst zu spät. Alle Websites unserer nicht wenigen Homepagekunden waren seit 14 Stunden offline, alle "meine" Kunden waren nicht mehr zum fristgerechten Datentransfer erreichbar (da weder FTP-Programm noch Emailprogramm ohne besagten Webserver geht), unsere Faxbox lies sich nicht abrufen usw. Der Super-Gau.

Und nun stelle man sich mal vor, man betreue eine Datenerfassung. Und dieser fehlen plötzlich 14 Stunden an eigentlich eingegangen zu habenden Daten. Und die restlichen Daten lassen sich noch nicht einmal an die hungrige Meute (sprich: Kunden) liefern. War eine sehr ... lustige Situation. Klein-Humbi übte sich im gepflegten Im-Dreieck-Springen.

Zu allem Überfluss hatte unser freelancender IT-Mann am Vorabend Geburtstag gefeiert und war demzufolge bis etwa 13 Uhr weder erreich- noch ansprechbar. Und meine IT-Kenntnisse beschränken sich auf den Mindestwert. Wenn man wohlwollend ist.

Habe ich also brav nach und nach "meine" Kunden angerufen und das Problem geschildert. Fanden die auch alle gaaaanz super und haben entsprechend begeistert reagiert.

Nun denn. Kommt Zeit, kommt IT-Mann. Der begann am frühen Nachmittag dann mit dem Aufbau eines provisorischen Webservers, sodass ich ab ca. 16.30 Uhr auch wieder Daten rausschicken konnte. Die waren dann zum Teil schon gute sieben Stunden überfällig. Im Laufe des Abends waren dann auch Emails und Kunden-Homepages wieder am Start.

Mittwoch nachmittag. Wie ich beim Sortieren der Post eines urlaubenden Kollegen belustigt feststelle, hat sich aufgrund der gestrigen Servicearbeiten am Server ein Emailvirus durchgeschmuggelt und sich auf dem PC des besagten Kollegen breit gemacht, von wo aus er seitdem fröhlich Spam in alle Welt verschickte. Sober-Wurm. Öfter mal was neues... *seufz*
Während wir uns knurrend daran machen, diesen wieder zu entfernen (und so ganz nebenbei auch noch die besagten 14 Stunden Datenverlust von Montagnacht wieder aufzuarbeiten, das war auch kein Spaziergang...), guckt mich unser Volontär traurig an und fragt, was denn wohl morgen dran glauben müsse. Dem Gesetz der Abwechslung folgend, sei ja wieder was ganz anderes fällig.

Donnerstag, 13 Uhr. Unsere Providerfirma (nein, ich nenne sie nicht, auch wenn ich's möchte) hat einen Kabelschaden. Teilt sie uns auf Anfrage mit, nachdem wir schockiert feststellen, dass wir wieder völlig und gnadenlos offline sind. Alle HP-Kunden weg, keine Emails, kein Internet - nüscht. Zum zweiten Mal in einer Woche! Der Kabelschaden (das klingt so herrlich banal) sei bis zum Abend behoben, heißt es. Unsere Homepagekunden sind zum Teil schon massivst angepisst, als wir ihnen selbiges telefonisch mitteilen. Kann ich auch absolut verstehen, das wäre ich auch. Mit derartigen Entschuldigungsanrufen endet der Donnerstag. Und mit der schon obligatorischen Frage, was wohl morgen passiert.

Freitag, 8.50 Uhr. Wie es das Gesetz der Serie verlangt, passiert auch tatsächlich was, und zwar wieder mal was völlig anderes. Mein Bus, der mich und zahlreiche ZDFler allmorgendlich zur Arbeit bringt (das ZDF liegt in direkter Nachbarschaft zu meiner Firma), pennt. Oder besser gesagt träumt dessen Fahrer. Der zieht nämlich fröhlich vor sich hin starrend an der ZDF-Haltestelle vorbei. Nicht, dass da jemand hätte aussteigen wollen. Ach was, das waren doch nur 80 Prozent seiner Fahrgäste... So stehe ich also plötzlich und unerwartet in einer Seitenstraße im Stadtteil Lerchenberg, von wo es - zu Fuß - ein Unding ist, zu meiner Arbeitsstelle zu kommen. Es geht einfach nicht. Also schließe ich mich den ZDFlern an, in der Hoffnung, über deren Firmengelände auf meins überwechseln zu können.
Denkste! Der Zaunwächter des ZDFs lässt nur Leute mit Passierschein durch, und sowas hab' ich natürlich nicht. Also stiefele ich wieder zurück durch den Schnee, eine Bushaltestelle suchen.

Kaum habe ich die gefunden, ist der Bus natürlich auch gerade weg, muss ich also warten. Und wo ich schonmal einen Hals habe (Frust, Frust), zücke ich das Handy und beschwere mich mal bei der Busfirma. Kann man ja mal machen. Habe den Schlaffahrer ja nicht von ungefähr nach seinem Namen gefragt. Die Busfirma ist auch zuerst voll der Anteilnahme und versteht mich miss. Sie meint nämlich plötzlich, es stünden nun massig viele ZDFler orientierungslos auf dem Lerchenberg. Stimmt zwar nicht, hatte ich aber auch nicht gesagt. Aber wenn es hilft, dass hier was passiert, lasse ich sie gerne mal in dem Glauben. Die Busfirma ruft daraufhin den Fahrer an, der - wen wundert's - natürlich behauptet, es habe niemand den Halteknopf gedrückt und da sei er eben weitergefahren. Klar, hätte ich dann auch gesagt... Thema also erledigt.

Irgendwann tauche ich tatsächlich auf der Arbeit auf - und der Kabelschaden ist noch immer nicht behoben. Im Viertelstundentakt rufen HP-Kunden an und reden von Schadensersatzklagen gegen uns und so weiter, das kann ich alles gut verstehen. Aber nicht ändern. Und vor allem kann ich hier ohne Internet nicht arbeiten. Also schultere ich mein Arbeitspensum für heute einfach auf und verabschiede mich nach Hause, wo ich nun seit 10.30 Uhr sitze und arbeite, nur unterbrochen von gelegentlichen Katastrophen-Wasserstandsmeldungen der Kollegen im Büro. Der Kabelschaden sei nun übrigens bis morgen mittag behoben. Sagt man... Übrigens hat die halbe Stadt derzeit kein Internet, viele nicht einmal Telefon!

Ja, das war meine Woche. Möchte ich nicht nochmal erleben, sowas. Hat in mehrfacher Hinsicht wirklich weh getan und - so befürchte ich - wird auch noch lange nachhallen. Besonders lustig stelle ich mir den kommenden Montag vor. Wenn besagter Kollege nach drei Wochen Urlaub fröhlich entspannt wieder eintrudelt und sich erst einmal anhören darf, welche Kunden wir alle verloren haben, wie lange wir offline waren (und das zwei Mal in einer Woche!) und das unser Webserver zur Zeit nur noch ein Provisorium ist. Ach ja, und dass sein PC aufgrund eines akuten und bisher (da nix ist mit online gehen) irreparablen Virenbefall nicht mehr benutzbar ist.

Ich sehe schon, auch das wird eine Superwoche...

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